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Verehrte Gäste, liebe Fecht-Freunde,
zu einem solchen Ereignis des fünfzigjährigen Bestehens des Fecht-Club Bremen-Nord (FCBN) eine Rede zu halten, zumal eine Laudatio, kennt nur einen einzigen Grund. Nämlich dankbar das Geschick, das Wohl und Wehe unseres Clubs im Tidenwechsel der Gezeiten unserer Gesellschaft sport- und clubgeschichtlich zu bedenken.
Das Kürzel FCBN, das auf der Speicherseite in der Alten Hafenstraße 44 steht, den Briefbogen schmückt und mit dem Emblem die Fechtkleidung auszeichnet, hat einen guten Namen in dieser Stadt Vegesack, im Lande Bremen und umzu. In Niedersachsen, Deutschland und einen konkurrenzlosen Internetauftritt. Sie geben FCBN ins Internet ein und schon sind Sie voll im Bilde, ganz auf dem Laufenden. Gut unterrichtet. Auch, um hier einmal im Fechtspeicher vorbeizuschauen zu können.
Meine Damen und Herren, das ist alles bereits sorgfältig, ausführlich und dabei unterhaltsam in der Festschrift sportgeschichtlich in den kleinen Geschichten unserer großen Clubgeschichte von einem der übrig gebliebenen Gründungssöhne, von Rudolf Kauer aufgeschrieben, überreich bebildert (Da drin sein ist alles!), einfach lesenswert dokumentiert und heute käuflich für 10-€ zu erwerben - die Festschrift, nicht der Mann. Ich spar mir, auf das schöne Buch inhaltlich einzugehen. Das gäbe nur ein Double. Ein besonderer herzlicher Dank gilt vorab denen, die mit ihrer gespendeten Großzügigkeit den Druck der Clubgeschichte als einen Beitrag zur Zeitgeschichte realisiert haben.
Nicht aber lasse ich es mir nehmen, auf die Geschlechterfolge im zweifachen Sinn des Wortes hinzuweisen - was das Alter, die Generationenfolge und das Geschlecht betrifft. Auf die Genealogie der Vereinsvorsitzenden nach dem Fechtclub-Urvater Kurt Starke, dessen Enkelin Christa Stefan ich herzlich begrüße, kommt es an: Auf Rudolf Kauer, Fredy Müller und Ute Hannemann. Von den Altvorderen ist die Rede. Das ist ein Triumvirat - heute zweifellos ein Triumphirat. Auf Ihren, auf Euren Gesichtern steht der leuchtende Glanz eigener Anwesenheit an diesem Festtage, Was immer das persönlich auch heißen mag, heute ein goldenes Vereins-, Vereint-, Ver-einst- Jubiläum begehen zu können.
Kurt Starke gründete den Fecht-Club Bremen-Nord vor einem halben Jahrhundert. Rudolf Kauer ist das einzige Gründungsmitglied von damals, das noch vorkommt. Tritt Du bitte an dem heutigen Festtag einen Schritt hervor. Auf die Mensur kommt es bekanntlich an. Ich werde keinen Ausfall machen. Dich aber trotzdem treffen wollen: Dir kommt das Verdienst zu, vor mehr als dreißig Jahren auf diesen ehrwürdigen - damals ziemlich heruntergekommenen Thiele-Speicher gestoßen zu sein. Mit ihm, dem heute unter Denkmalschutz stehenden (nicht der Rudolf Kauer!), vor mehr als 200 Jahren errichteten Packhaus hast Du, Rudolf Kauer, Dir zweifellos einen fechterischen Lebenstraum erfüllt. Doch nicht nur Dir allein - uns allen und ich hoffe, auch noch den folgenden Generationen. Für Euch die jungen und jüngsten Mitglieder unseres Fecht-Clubs gilt das Goethewort: "Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. " (Faust I, Nacht) Das bezieht sich auf den Speicher, die Ressourcen dieses Hauses, die Anlagen und Geräte, schließlich die Menschen. Doch ebenso auf die fechterischen Ressourcen, von den Erfahrungen der Älteren im sportlichen Spiel gegeneinander und miteinander zu lernen.
Doch der Dank gilt nicht nur Rudolf Kauer. Das Werk ist erst dadurch möglich geworden, daß viele einzelne zusammen dagewesen sind und einfach an- und zugepackt haben. Der Dank gilt den vielen, die heute da sind, mit den vielen, vielen Arbeitsstunden Eures handwerklichen Fleißes dazu beigetragen zu haben, dass dieser Fechtspeicher steht und erhalten bleibt.
Fredy Müller verdanken wir, daß wir mit Lech Zimny einen hauptamtlich bei uns angestellten Trainer haben, der weit und breit seinesgleichen sucht. Und last not least können wir uns glücklich schätzen, daß wir mit Ute Hannemann über einen Kapitän verfügen, der schön den Kurs hält und unser Schiff auch durch schwierige Gewässer zu steuern weiß.
Nach der getragenen und auch ertragenen Bürde des Amtes (Wie heißt das noch in dar Trauformel? in guten wie in schlechten Zeiten) ein Vorsitzender oder eine Vorsitzende sein zu wollen und sein zu müssen, kommt heute nun endlich die genossene Würde dieses Tages, des Erreichten. Doch nicht nur sie. Was ist, liebe Ute Hannemann, der Kapitän schon ohne Mannschaft? Um nur einige zu nennen. Zumindest auf der Brücke. Hier ohne den Steuermann Britta Lilienthal und ohne den Rudergänger Ulrike Sulimma.
(Das ist ein Extrabeifall aller an der Vorstandsarbeit Beteiligter wert.)
Der Club hat in den zurückliegenden Jahren viel erreicht. Dabei hat das heutzutage Erreichte weniger mit dem "Jetzt reichts aber" - schon gar nichts mit den uns zugedachten Geldspenden, die das zukünftige Wohl unseres Hauses betreffen - noch mit reich oder gar einem Reichtum des Clubs zu tun - schön wär's! wirklich! - als vielmehr mit der Reichweite des Floretts und Degens, kurzum mit der Turnier-freudigkeit der aktiv Fechtenden und ihren Austragungsorten nah und fern zu tun, Und letztlich mit der quirligen, blutjungen Mitglieder und ihrem Interesse. Ich übersetze das lateinische Verbum, Tätigkeitswort interesse = dabeisein und füge hinzu: Mit-Glied werden. Sie holten im Oktober vergangenen Jahres bei den Landes-meisterschaften in Bremen von den 28 möglichen Titeln 27 dank der hervorragenden Trainingsarbeit von Lech Zimny. Maria Moor, Lara Dreyer und Christine Schöning behaupten jetzt einen Platz in der Deutschen Rangliste der A-Jugend.
Der FCBN ist ein Club, der nicht Verein heißen will. Das Nomen, also das Hauptwort Verein ist eine Rückbildung - wie der FCBN selbst - von dem Gründungsverb vereinen. Die Vorsilbe Ver- drückt eine Intensivform aus. Denken Sie an: sprechen - versprechen, lieben - verlieben, laufen - verlaufen, saufen - versaufen. Die Vorsilbe ver- weist bereits die Individualität der Sportart hin:
Ein, einer, eine - das ist nicht genug, sonst kommt es nur zu Spiegelfechterei eigener Eitelkeiten. Vereint ist alles: Das betrifft den einzelnen Fechter, die einzelne Fechterin - welcher Alters- Geschlechts- und Leistungsklasse auch immer angehörend. Das betrifft ebenso die Gruppe aller, und immer die Florett- oder Degenmannschaft.
Und doch nennt sich dieser Sportverein: Fecht-Club - mit hohem C geschrieben, nicht mit dem dunklen K. Dieser Begriff Club kommt buchstäblich von dem handgreiflichen Begreifen her: Das altnordische Klubbe ist die Keule, verwandt dem deutschen Klumpen aus dem kommt das mittelenglische clubbe und am Ende der Club. Aus diesem alten Brauch erklärt sich die Bedeutungsübertragung auf die Vereinigung, Einladungen zu Zusammenkünften durch das Herumsenden eines Kerbstockes, eines Brettes oder einer Keule zu übermitteln. Es erinnert an das Stockfechten, das bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis noch eine Disziplin gewesen ist.
Dem Turnvater Jahn lag sehr daran, das Fechten mit dem Keulenschwingen zu verbinden. Deshalb geriet das Ganze immer wieder in den Verdacht, ein Kampfsport, modern gesprochen paramilitärisch zu sein. Ich denke: Der Fechtsport ist ein Kultursport irrnerhalb der seit Charles Darwin gepriesenen Evolution des Menschen zwischen dem Keulen schwingenden Homo erectus Neanderthalis und dem Homo sapiens der feiner Denk-, Lebens- und Waffenart.
Daß wir uns dabei wie Verwandte, die schließlich auch Menschen sind, verhalten, zeigt die Entstehungsgeschichte des FCBN vor 50 Jahren wie übrigens auch andere Fechtvereine in Deutschland. Die Guten brechen auf, verlassen den heimisch angestammten Fechtboden, um Besseres oder mehr zu erreichen. So erging es auch der alten Bremer Turngemeinde von 1859 mit ihrem Kind, der Fechtabteilung des Bremer Turnverein Friesen von 1891 und den Kindeskindern, von denen heute nur noch der Fechtverein Bremen 1860, der Hanseatische Fechtclub Bremen (HFB) und der Fecht-Club Bremen-Nord existieren.
Wir haben alle bessere Zeiten gesehen, was die Mitgliedschaft von 150 people in der Fredy-Egide anbelangt. Doch wir schätzen uns glücklich jetzt bei 104 aktiven und 19 passiven Mitgliedern zu stehen, von denen weit mehr als die Hälfte unter 25 Jahren, 40 unter 14 Jahre, 29 unter 25 Jahre, 41 über 26 Jahrte alt sind.
Der Fecht-Club Bremen-Nord liegt damit - was die Alterstruktur seiner Mitglieder angeht - gesellschaftlich, demographisch keineswegs im Trend. Wir schwimmen gegen den Strom, und wer das tut, ist auf dem Wege zur Quelle. Das ist unsere Jugend.
Mit dieser Perspektive, die eigentlich eine Prospektive ist, schließe ich hoffnungsvoll mit einem Lob der geselligen Gemütlichkeit in unserem Speicher und danke für die geschenkte Aufmerksamkeit.
(Dr. Klaus Dirschauer am 11. Januar 2008)